TESCH Riesling

TESCH UNPLUGGED © by Dr. Martin Tesch


UNPLUGGED? WAS STEHT EIGENTLICH DAHINTER?

Unser knochentrockener Riesling UNPLUGGED® steht für einen Verzicht auf folgende Verfahren:
Im Weinberg:
Umweltschonender Weinbau. – Kein Kunstdünger – Keine Unkrautvernichter – Keine Insektizide – Keine Erntemaschinen
Im Weinkeller:
Handwerklicher Weinausbau. – Keine Süßung – Keine Erhöhung des Alkoholgehaltes (Chaptalisierung) – Keine „Aromatisierung“ (neues Eichenholz, Aromahefen) – Kein Verschnitt – Keine Säuerung – Keine Entsäuerung – Keine Unterbrechung der Gärung (Durchgegoren) – Natürliche Klärung (lange Zeit auf der Feinhefe)
Alle TESCH-Gutsabfüllungen werden auf diese Weise hergestellt. Wenn wir Trauben zukaufen (z.B. für unsere Literweine) kommt auch eine Erntemaschine zum Einsatz. Deshalb sind diese Weine etwas günstiger. (Text © by Dr. Martin Tesch)


GUTER WEIN LÄSST SICH NICHT DIGITALISIEREN

Mein Bruder ist Ingenieur. Als wir neulich zusammensaßen, prophezeite er mir: Die Digitalisierung der Produktionsprozesse wird irgendwann dazu führen, dass man zu einem abstrus niedrigen Preis einen irrsinnig guten Wein machen wird. An den verschiedensten Orten der Welt. Einfach weil man alle Produktionsparameter und die Kosten im Griff haben wird. Die Frage in meinem Kopf: Wen wird das interessieren? Haben wir denn heute noch keine synthetischen Drinks oder noch einfacher: Psychopharmaka? Die Industrialisierung der Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion ist weit fortgeschritten. Der perfekte Designerwein wird schon heute tausendfach für den Geschmack der potentesten Kundengruppe gestaltet. Und in der Spitzenküche werden mittlerweile Elemente aus dem 3 D-Drucker verarbeitet. Eigentlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis dieses Design und diese Technologie im Discount ankommt. Und zwar zusammen mit der passenden Hochglanz-Geschichte. Für mich sind diese Lebensmittel so interessant wie das perfekte, südamerikanische Rinderfilet oder der optimale Zuchtlachs. Wir alle kennen den Preis und damit meine ich nicht den zu niedrigen Kaufpreis. Und überall auf dem Planeten sind diese Produkte gleich. Aber wenn mir ein befreundeter Rinder-Züchter erklärt, dass das Fleisch seiner Tiere ungewöhnlich mager ist, weil die Tiere sich eben immer auf der Weide bewegen. Dann hat das Fleisch für mich eine neue Qualität, obwohl es nicht perfekt marmoriert ist. Die Äpfel von der Streuobstwiese sind oft weit entfernt vom idealen Apfel. Aber die Früchte von jedem einzelnen Baum unterscheiden sich von den benachbarten. Die Freude an selbst gesammelten Pilzen oder Beeren lässt sich durch kein perfektes Produkt vom Großmarkt ersetzen. Und so ist es auch mit Wein – da gibt es kein Ideal mit den optimalen Produktionsparametern. Jede Region, jeder Weinberg soll anders sein – der Wein soll mir vom Wetter und der Philosophie seines Winzers erzählen. Ich als Weintrinker muss diese Kleinteiligkeit gar nicht als Ganzes begreifen. Das ist die Aufgabe des Sommeliers oder anderer Weinfachleute. Ich brauche nur ein bisschen Sensibilität und Offenheit – und wenn mir mal etwas besonders gut gefällt, dann versuche ich mir das zu merken. Dieser Reichtum an Facetten ist für mich das Wesen von gutem Wein. Darauf kann man keine große Superwein-Marken aufbauen – auf welches Geschmacksziel sollte der Algorithmus denn bitteschön optimieren? (Text © by Dr. Martin Tesch | Artwork © by Raik Hölzel)


„WER IST DER GRIMMIGE MANN AUF DEM ETIKETT?“

Bei einer Weinprobe in England wurde mir die Frage noch drastischer gestellt: „Why is Dracula on the label?“. Aber das Ölgemälde zeigt nicht den Fürsten der Finsternis, sondern Martin Müller (1800 bis 1878), der unser Weingut im 19. Jahrhundert geführt hat. Später schmückt das Porträt des Vorfahren die Weinetiketten und die Geschäftspapiere, heute auch die Homepage und Newsletter des Weinguts. Für mich haben Martin Müller und das Gemälde eine große Bedeutung. Über das Leben des Vorfahren ist recht viel bekannt. Geboren wurde er als französischer Staatsbürger, denn von 1798 bis 1815 gehörte meine Heimat als „Département Rhin et Moselle“ zur Republik Frankreich. Es wurden eine gut funktionierende zivile Verwaltung aufgebaut und viele strukturelle Reformen im Weinbau durchgeführt. Das waren wichtige Voraussetzungen für die goldenen Jahrzehnte des deutschen Weinbaus im 19. Jahrhundert, also genau die Zeit, in der unser Ahn es zu Wohlstand und Ansehen brachte. Neben der Bewunderung für die wirtschaftliche Erneuerung verbindet mich noch etwas Wichtigeres mit Martin Müller II. Wenn ich in das ernste Gesicht blicke, erinnere ich mich voll Mitgefühl daran, dass seine vier Kinder in jungen Jahren gestorben sind. Da es also keine natürlichen Erben gab, regelten er und seine Frau den Nachlass in einem umfangreichen und sehr detaillierten Testament. Er stiftete Stipendien für die Ausbildung von Jugendlichen, vermachte der Kirche Ländereien, die noch heute einen Grundstock des Gemeindevermögens bilden u.a.m.. Das Weingut selbst erbte der Sohn eines Vetters, sein Patensohn, dessen einziges Kind dann nach 1900 Johann Tesch heiratete. Es scheint so, als seien Martin Müller II und seine Frau wegen ihres traurigen Schicksals nicht verzweifelt, sondern hätten für die Zukunft sehr kluge, soziale und weitsichtige Entscheidungen getroffen. Heute nennen wir eine solche Haltung Nachhaltigkeit. Und das ist überhaupt nicht grimmig! (Text © by Dr. Martin Tesch)
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Sehr gut

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